Mitgliederversammlung 2026: offen, hybrid und mit Blick auf die Regionen
Zum ersten Mal war unsere Mitgliederversammlung offen für alle Interessierten und zugleich digital. Am 5. November ging es im Seniorenzentrum Martin-Luther-Haus in Erfurt und am Bildschirm um eine Frage: Wie kommt Hilfe bei Demenz in ganz Thüringen an?

Mitglieder, Partner und Interessierte kamen ins Martin-Luther-Haus, weitere waren per Videokonferenz zugeschaltet. Mit dem neuen Format wollen wir auch Menschen erreichen, die ihre Angehörigen nicht allein lassen können, sagte der Vorsitzende Martin Gebhardt zur Begrüßung. Vorab gab es Kaffee und einen Rundgang durch das Haus, das 2006 mit Impulsen der Alzheimer Gesellschaft konzipiert wurde und heute sechs Wohngruppen für Menschen mit Demenz hat.
Ein klarer Auftrag
Der Thüringer Pflegeentwicklungsplan, an dem viele Engagierte im Land mitgewirkt haben, nennt die Fachstelle Demenz ausdrücklich: Sie unterstützt und berät Kommunen beim Aufbau von Beratungsstrukturen und Demenznetzwerken. „Neu ist, dass es eine ganz konkrete Aufgabe ist“, so Gebhardt. Der Plan soll in ein Gesetz überführt werden.
Die Fachstelle arbeitet in vier Handlungsfeldern: Vernetzung, Beratung, Schulung und Anregung zur Selbsthilfe. Die Prävention kommt hinzu, die Öffentlichkeitsarbeit unterstützt alle Bereiche.
Mehr Beratung, mehr Team
Schon bis Ende Oktober hat die Fachstelle mehr Beratungen geführt als in jedem der beiden Vorjahre. Wer im Netz nach „Alzheimer“ sucht, landet oft zuerst bei uns. Vieles klären wir in einer kurzen Beratung am Telefon. Anderes vermitteln wir weiter: an Beratungsstellen in der Region, an Fachleute für Fortbildungen oder an die Netzwerke vor Ort. Weil die geplante Pflegereform viele Familien verunsichert, rechnen wir mit weiter steigender Nachfrage.
Das Team ist gewachsen. Seit August verstärken Matthias Röppenack und Jens Hauspurg die Geschäftsstelle, seit September die Praktikantin Juliana Köhler-Roth. Zusammen mit Nadja Braun, Dagmar Linz und Melanie Scharfe sind damit sechs Menschen für Sie da.



Selbsthilfe wächst
In Thüringen gibt es derzeit 36 Selbsthilfegruppen rund um Demenz. Die Fachstelle berät beim Aufbau neuer Gruppen, stärkt bestehende und hält dort Vorträge. Seit Juli trifft sich außerdem die erste digitale Selbsthilfegruppe für Angehörige in Thüringen, ins Leben gerufen von einer Ehrenamtlichen gemeinsam mit der Alzheimer Gesellschaft: ohne Fahrtwege, in einem geschützten Raum ohne Aufzeichnung. Ein Angehöriger erzählte, wie sehr ihm das hilft. Von anderen zu erfahren, wie sie mit ihrer Lebenssituation umgehen, sei „enorm hilfreich“.
Aus Eisenach berichtete Jana Steiner: Das Café Auszeit, das sie seit Anfang 2024 anbietet, ist so gefragt, dass ein weiterer Termin geplant ist. Gerade ist eine zweite Gruppe zum Thema „weiße Trauer“ gestartet, gemeinsam mit dem Hospizverein Eisenach. Ihr Fazit: Der Bedarf ist noch lange nicht gedeckt.
2027: mehr Arbeit in den Landkreisen
Ein Projekt zur Selbsthilfe in drei Landkreisen, in denen bislang keine Gruppe bekannt ist, ist gemeinsam mit der AOK geplant. Ab April 2027 soll ein Präventionsprojekt in drei weiteren ländlichen Landkreisen folgen. Getragen wird es von den Volkshochschulen, die Alzheimer Gesellschaft ist Fachpartnerin. Es richtet sich vor allem an Menschen zwischen 40 und 60: Was kann ich selbst tun, um mein Risiko zu senken? Die Förderung ist beantragt. Dazu kommt ein Modellprojekt von Pflegeversicherung und Land in vier Landkreisen, das erprobt, wie Demenznetzwerke vor Ort dauerhaft tragen.
„In zehn Thüringer Landkreisen wird es in den nächsten Jahren intensive Bemühungen geben, die Bedingungen für Menschen mit Demenz zu verbessern“, sagte Gebhardt. „Das ist ein Grund, sich zu freuen.“
Auch Vorträge und Schulungen sollen künftig öfter digital stattfinden, damit niemand weit fahren muss. Die hybride Versammlung war dafür ein erster Test.
Finanzen und Formales
Die Fachstelle Demenz wird von Land und Pflegekassen gefördert, allerdings Jahr für Jahr neu; der Bescheid für 2026 kam erst im Juni. Eine Aufgabe, die der Pflegeentwicklungsplan beschreibt, braucht eine verlässliche, dauerhafte Finanzierung, betonte der Vorstand. Umso mehr zählen Mitglieder und Spenden: Die Alzheimer Gesellschaft Thüringen hat heute 77 Mitglieder, sechs mehr als Ende 2025.
Die Kassenprüferinnen bestätigten eine ordnungsgemäße Buchführung für 2025, die Versammlung entlastete den Vorstand. Beide Kassenprüferinnen machen weiter. Martin Gebhardt vertritt die Alzheimer Gesellschaft Thüringen weiterhin als Delegierter bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.
Impulse zum Schluss
In der Schlussrunde ging es um Familien, die mit dem Internet wenig anfangen können oder auf dem Land wohnen. Wie erreichen Informationen sie? Ideen gab es viele: Digitalpatinnen und -paten aus der Nachbarschaft oder Vorträge, die übertragen und vor Ort gemeinsam angeschaut und besprochen werden, etwa in Quartierstreffs. Diese Impulse nehmen wir mit in die Planung für 2027.
Danke an alle, die dabei waren, vor Ort und am Bildschirm, und an das Seniorenzentrum Martin-Luther-Haus für die Gastfreundschaft.
Unterstützen Sie unsere Arbeit
Mit einer Spende machen Sie kostenfreie und unabhängige Beratung für Familien in ganz Thüringen möglich. Mitglied werden geht ab 30 Euro im Jahr, mit Stimmrecht in der Mitgliederversammlung und steuerlich absetzbar. Nur wenn wir viele sind, werden wir gehört.
